Vogelkunde für Großstadtkinder – zwischen Meisenkasten und Angry Birds

Amsel, Drossel, Fink und Star – wer glaubt, das sei schon die gesamte Vogelschar, die der Hauptstadtsohn kennt, der irrt. Dank des Tantengeschenkes „Mein buntes Tierbilderbuch“ sind ihm auch Buchfink, Heckenbraunelle, Feldlerche und Eisvogel durchaus ein Begriff. Doch sein Lieblingsvogel ist rot, hat dicke, dunkle Augenbrauen und kann als Kugel zusammengerollt grüne Schweine erledigen. Denn da ist der Biologennachwuchs einfach ein waschechter Berliner Jung. Und das ist auch gut so.

Wir haben eine Abmachung, auf all unseren U-Bahnfahrten darf der Sohn Angry Birds spielen (und der ein oder andere Leser mag vielleicht nachempfinden, dass ich damit die schwierige Aufgabe übernehme, als Smombie ausgerechnet in der U-Bahn auf das Smartphone zu verzichten) und somit war der neue Kinofilm schnell im Fokus des Interesses. Nachdem ich also zwanzig mal gegoogelt hatte, ob der Film ohne Altersbeschränkung läuft (ist es eigentlich gut für das Ranking der Seite, wenn man gegoogelt schreibt?), beschlossen wir, ins Kino zu gehen. Zur Vorbereitung gingen dafür auch einige der 500.000 youtube-Klicks des Trailers auf unser Konto.

Alle Rezensionen, die ich über den Film las, waren vernichtend. Ich vermute allerdings stark, dass viele der Kulturredakteure nicht der unmittelbaren Zielgruppe entschlüpften, sondern lieber in Cannes, Venedig oder wenn schon in Berlin, dann auf dem roten Teppich vor dem Zoopalast gewesen wären. Dabei ist dieser Film wohl am besten mittags in Neukölln mit einer Packung Eiskonfekt. Daher kommt hier die einzig brauchbare Mutter-Sohn-Filmkritik!

allein im Kino

freie Platzwahl: um 12 Uhr schläft man in Berlin eigentlich noch

Bevor der Film begann, wurden ungefähr 20 Minuten Werbung gezeigt. Das ist in etwa die Länge, die der Hauptstadtsohn normalerweise vor dem Fernseher sitzen darf und der Film hatte noch nicht mal angefangen. Außerdem wurden Gruselfilme beworben und noch gruseligere Krankenkassenapps mit sexistischem Einschlag. Muss das um 12 Uhr im leeren Kino vor einem Kinderfilm eigentlich sein? Minuspunkte!

Doch dann tauchten endlich Red, Chuck und Bombe auf der Leinwand auf und ich vermisste nur: eine Geschichte. Denn am Anfang werden ziemlich viele Szenen aneinandergreiht, die zwar häufig lustig, aber ohne roten Faden sind. Ich habe also einmal nach 30 Minuten gegoogelt, wie lange der Film eigentlich noch geht (98 Minuten Gesamtlänge, für 5¾jährige recht lang, Minuspunkt). Doch dann begann die Handlung und der Kampf der Vögel um ihre geklauten Vogeleier war nun auch für mich durchaus unterhaltsam. Wichtiger war natürlich, dass es dem Hauptstadtsohn gefiel und das war voll und ganz der Fall. Er fieberte sichtlich mit den gefiederten Freunden mit, ohne dass es je zu spannend, zu gruselig oder zu gewaltreich wurde. Zwischendurch sprang er auf und freute sich „gute Leistung, Bombe!“, als es dem dicken schwarzen Vogel gelang, die fliegenden Schweine aufzuhalten. Seit diesem Zeitpunkt mag er Bombe übrigens genauso gerne wie Red.

Später hat der Sohn zuhause berichtet, wie der Film war und konnte die Geschichte auch sehr gut wiedergeben. Nur dem mächtigen Adler, der mit seinem angeblichen Wissen prahlt, ist er etwas auf den Leim gegangen. Insgesamt fand ich Angry Birds sehr gelungen für mein Vorschulkind, das glücklich und stolz aus dem Kino kam. Ich kann den Film also ruhigen Gewissens für all jene weiter empfehlen, die zu Hause auch Zeichentrick schauen dürfen und an ein wenig animiertes Abenteuer gewohnt sind. Wir haben den Film übrigens in 2D geschaut, was ich angesichts der oftmals schnellen Schnitte und der Action auch ratsam finde.

Jetzt sind wir bei der Oma im Garten und betreiben Vogelbeobachten wieder nach meinen Vorstellungen. So gleicht sich doch alles aus!

Vogelkasten mit Vogel

Guck guck sagt die Meise

Das Meisenfoto ist meine heutige Montagsfreude. Ich wünsche Euch einen frohen Pfingsttag! Geht jemand von Euch ins Kino?

Übers Teilen freue ich mich!

Vielen Dank für Deinen Kommentar!