Eine kleine Geschichte vom Tod und vom Leben

Heute hat ein guter Freund von mir Geburtstag. Ein Freund, der vor zwei Jahren gestorben ist. Es fehlt mir, dass ich ihn nicht anrufen oder ihm eine E-Mail schicken kann, weil das für mich zum 17. Juni so sehr dazu gehört. Denn auch wenn wir die letzten Jahre weniger Kontakt hatten, haben wir unsere Geburtstage niemals vergessen. Darum möchte ich auch heute seinen Geburtstag erinnern und Euch ein bisschen über ihn, über uns, und damit auch über das Leben und Sterben erzählen. Denn Schreiben war, was uns beide miteinander verbunden hat.

Meinen Blog hat Olaf nicht mehr mitbekommen, aber ich weiß, es hätte ihm Freude bereitet, dass ich schreibe. Sicherlich hätte er einige Verbesserungsvorschläge parat gehabt, denn auch mit Technik kannte er sich aus. Aber vor allem hätte es ihn gefreut, und das hätte er mir auch gezeigt. Denn manche der schönsten und liebevollsten Komplimente, die ich im Leben bekommen habe, waren von ihm. Er hat sie mir selten direkt gesagt, aber er hat sie mir geschrieben und das ist wundervoll, weil ich sie manchmal nachlesen kann und sie noch so viel Licht bringen.

Vor vielen Jahren lernten wir uns in einer Umweltgruppe kennen und er fragte mich, ob wir auch mal nebenher etwas unternehmen wollen. Das ist nicht so üblich in Hamburg, wo wir damals lebten, denn da stellt man diese Frage für gewöhnlich erst, wenn man sich lange kennt. „Nur wenn es kein Date ist“, war damals meine Antwort, denn ich war zu der Zeit liiert. Aber so begann unsere Freundschaft und sie blieb bestehen, unbeeinflusst von den jeweils eigenen Beziehungs- und Singlezeiten.

Wenn Du etwas tun möchtest – dann tu es!

Aus zwei Gründen erinnere ich mich ganz besonders an jene erste Verabredung von uns. Zum einen erzählte ich, dass ich gerne Saxophon lernen möchte. „Warum tust Du es dann nicht?“ fragte er mich. Und das war der Auslöser, dass ich losging und mir ein Saxophon besorgte. Noch heute, viele, viele Jahre später habe ich immer seine Frage „Warum tust Du es dann nicht?“ im Ohr. Das habe ich von Dir gelernt, Olaf, zu überprüfen, ob mir Dinge, von denen ich träume, wirklich wichtig sind und sie dann auch zu tun. Weil das Leben für ein irgendwann zu kurz ist.

Der zweite Grund, warum ich mich an unser erstes Treffen erinnere, ist, weil Du mir erklärt hast, warum Du beim Gehen etwas hinkst. Ich erinnere mich an diesen Moment so sehr, weil ich überrascht war, dass ich Dein etwas eingeschränktes Gehen gar nicht bemerkt hatte. Weil ich mich noch heute frage, ob es unaufmerksam von mir war oder ob es einfach zu mir gehört, dass ich Äußerlichkeiten, die ich nicht für wichtig erachte, gar nicht wahrnehme. Dabei war es keine Äußerlichkeit, wie sich herausstellte. In Deinen Jugendjahren hatte der Krebs Dir bereits ein Unterbein genommen. Nach harten Zeiten wieder ins Leben zurück finden, auch das konnte man von Dir lernen.

Seid Euch gegenseitig eine Stütze

Es gab auch eine Zeit in meinem Leben, die für mich sehr traurig war. Und wie es der Zufall wollte, begann diese Zeit an einem 17. Juni. Ich rief Dich an, um Dir zum Geburtstag zu gratulieren und Du hast sofort gehört, dass es mir nicht gut geht. An jenem Tag hast Du mir zum Trost eine Geschichte geschrieben. Und diese Geschichte ist das wertvollste, was mir von Dir geblieben ist. Ich bin glücklich, dass ich mich eines Tages revanchieren konnte und doch traurig, dass auch meine Geschichte für Dich an einem Tag geschrieben wurde, an dem Du verzweifelt warst.

Wir haben uns in den letzten Jahren wenig gesehen, aber wir konnten uns immer aufeinander verlassen. Noch immer habe ich das Gefühl, ich könnte Dir schreiben und Du würdest mir antworten. Es fehlt mir, dass Du sagst, Svenja, ändere etwas, anstatt zu resignieren. Aber vor allem fehlt mir Dein Glaube daran, dass ich genau das schaffen kann.

Von Olafs Tod habe ich in einer E-Mail erfahren, die er kurz vorher für seine Freunde verfasst hatte. Beim Lesen habe ich geweint. Und zwar nicht nur, weil er gestorben war, sondern weil der kurze Text mit jedem Buchstaben so sehr er selbst war. Irgendwie hat er es bis zum Ende geschafft, seine Freunde so ernst zu nehmen und ihnen doch zu vermitteln, alles nicht so schwer zu nehmen. Heute an seinem Geburtstag mag ich seine liebsten Lebensmottos teilen.

  1. Nichts Genaues weiß man nicht.
  2. Ohne Spaß macht das alles keinen Spaß.
  3. Love is the answer.

In diesem Sinne, liebt und lebt!
Eure Svenja


Titelbild pixabay.com

Übers Teilen freue ich mich!

2 Kommentare zu “Eine kleine Geschichte vom Tod und vom Leben

  1. Kristin

    Liebe Svenja, das ist eine schöne, lehrreiche aber auch sehr anrührende Geschichte. Danke, dass Du sie teilst! Herzlich Kristin

    Antwort

Vielen Dank für Deinen Kommentar!