Geht’s raus und spielt’s Fußball

Auch Großstadtkinder spielen liebend gerne Fußball. Auch Berliner Kinder würden vermutlich ohne zu zögern Haus und Hof gegen eine Trainingsstunde mit Manuel Neuer eintauschen. Hier beginnt jedoch das Dilemma: wir haben weder Haus, noch Hof, noch Neuer. Und das führt dazu, dass ich diesen Beitrag ausgerechnet mit einem Zitat Beckenbauers überschreibe. „Geht’s raus und spielt’s Fußball“ – ja, aber wohin denn?

Das Aus für den Straßenfußball haben vor mir schon 326.754 andere Autoren beschrieben, ich weiß, und auch sie konnten damit das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Aber wie wäre es, wenn wir dieses Rad mal gemeinsam etwas nach vorne drehen und unsere Städte wieder fußballfreundlicher gestalten?

Fußballalltag für Großstadtkinder

Stadtkinder bewegen sich zu wenig, so ein gängiges Vorurteil, und ganz von der Hand zu weisen ist das leider nicht. Dabei ist Fußball einfach ein gutes und bewährtes Mittel gegen Bewegungsmangel.

  • Fußball lockt die Kinder nach draußen.
  • Tore schießen, Tore verhindern, schneller als der Ball sein: für Abwechslung ist gesorgt.
  • Eltern, Geschwister, Freunde können gemeinsam spielen.
  • Fußball vereint, denn über den Fußball kommen auch sich fremde Kinder leicht ins Spielen.
  • Fußball bietet Vorbilder.

Eigentlich alles also ein prima Sache. Und es funktioniert, auf dem Schulhof oder im Fußballverein, so lange letzterer sich positiv von den Vereinen abhebt, die schon den Kleinsten Leistungsdruck statt Sport vermitteln. Aber darüber hinaus? Hier hätte ich doch Verbesserungswünsche an die Stadt – und gleichsam Tipps, trotzdem das beste aus dem Fußball in der Stadt zu machen.

Was Berlin für den Fußballnachwuchs tun sollte…

1. Stopp dem Schilderwahn

Die Plätze, an denen Kinder Ball spielen können, sind begrenzt. An befahrenen Straßen geht es nun mal nicht und bei uns sind fast alle Straßen befahren. Spielstraßen? Fehlanzeige, Autos haben Vorrang. Nur so vieles scheint immer Vorrang zu haben. Ruhe vor Kinderlärm, Rasen vor Schuhen, privat vor Gemeinschaft. Manches hat sicher seinen Sinn, doch nicht jedes Verbot erschließt sich mir auf den ersten Blick. Ein bisschen mehr Gelassenheit, Berlin!

Fußball verboten

Die Grünanlange dankt’s?

2. Grünes Gras, bitte

Wir haben durchaus Glück, denn zwei kleine Fußballplätze gibt es in der direkten Umgebung. Das ist löblich und sollte in anderen Bereichen der Stadt genauso selbstverständlich sein. Nur vom Begriff Rasensport sind wir eben doch meilenweit entfernt. Es gibt Beton, Schluss aus fertig. Den großen Rasenfußballplatz darf man nämlich nur anschauen, es sei denn, man spielt im Verein. Gut, Rasenpflege muss auch bezahlt werden – aber einen guten alten Bolzplatz wünsche ich mir doch für den Fußball in der Stadt. Wo man mit Rasenflecken auf dem Trikot nach Hause kommt statt mit ständig bepflasterten Knien.

…und wie Berliner Kinder dennoch Fußball spielen

1. Kein Spiel dauert 90 Minuten

Fußball ist ideal, um bei uns mitten in Kreuzberg noch mal schnell eine Viertelstunde raus aus der Wohnung zu gehen. Die Begeisterung der Kinder, noch mal eben auf den kleinen Fußballplatz zu gehen, ist groß, aber anders als auf manchem Spielplatz müssen sie auch nicht Stunden bleiben. Schnell mal austoben, prima!

Fußball Großstadt

Glaubt’s mir, oben auf dem Tor sind die Hauptstadtkinder mindestens so oft wie darin.

2. Habt immer einen Ball dabei

Spazierengehen ist für die Hauptstadtkinder nur ein anderes Wort für Langeweile. Das ändert sich schlagartig, wenn nicht nur die Familie spazieren geht, sondern die Familie und ein Fußball. Auch bei Fahrten ins Grüne, denn gerade auf Waldwegen lassen sich Pässe und Dribbeln wunderbar nebenher üben. Aber auch einfache Ausflüge in den Park machen sich natürlich mit Ball am besten, in der Wuhlheide gibt es sogar eine Torwand (mehr hier). Nur Achtung: mindestens einen Ball pro Kind mitnehmen. Alles andere zählt unter Anfängerfehler, die man bitter bereut.

4. Kreatives Spiel

Sport ist eigentlich meine Archillesferse. Lange hielt ich mich für recht unsportlich und es stimmt, dass ich den ein oder anderen Torschuss meines 6jährigen Sohnes wirklich nicht halten kann. Aber eines kann ich, und das ist beim Fußball genau so wichtig: Ideen einbringen. Dazu gehören Spielideen auf dem Platz, aber in der Großstadt eben auch Ideen zur Platzsuche. Es gehört dazu, fünfe gerade sein zu lassen und Fußball in der Wohnung zu erlauben (Stoffball!). Und es gehört dazu, vieles als Ball durchgehen zu lassen, was man in Berlin auf den Straßen so findet. Steine, Dosen, da sind die Hauptstadtkinder selbst besonders kreativ.

3. Fußball in der Stadt live und in Farbe

Ein Vorteil der Großstadt ist eben auch, dass das nächste Stadion nicht weit ist. Als Zugezogene ist Hertha BSC nicht mein Verein, doch die Hauptstadtkinder sehen das naturgemäß anders und so klingen oftmals laute Ha-ho-he-Hertha BSC-Rufe durch die Wohnung. Und die „großen“ live spielen zu sehen, kann unheimlich motivieren, selbst mehr zu spielen. Mein Tipp: Hertha hat einen kinderfreundlichen Familienblock mit Nichtraucherplätzen. Das Problem ist nur, und hier schließt sich der Kreis zum Beginn des Beitrags, Berlin hat eben keinen Neuer. Und das finden die beiden Hauptstadtkinder doch ein wenig ungerecht.

Sind Eure Kinder auch im Fußballfieber oder welche Sportarten begeistern sie?

Titelbild ©Sport Moments_Fotolia.com

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