Mein Wunschzettel: ein offener Brief an 2017

Liebes neues Jahr,

wie ein weißes Blatt Papier liegst Du vor mir, nun ja, nicht blütenweiß, sondern weiß mit ersten Tintenklecksen und ein paar vorsichtig mit Bleistift eingetragenen Terminen. Immerhin. Ich durfte Dich zusammen mit meiner wundervollen Familie begrüßen, und auch sonst machst Du Dich mit Deiner zarten, weißen Schneedecke ganz ansehnlich.

Ein paar Dinge hast Du von Deinem Vorgänger übernommen, die Du auch hättest ändern können. Weckerklingeln erst ab acht Uhr zum Beispiel, das wäre doch mal eine innovative Idee, Jahr. Aber dann auch wieder keine so wirklich wichtige.

Weißt Du, was ich schon jetzt an Dir mag? Du motivierst mich! Neues Jahr, neue Pläne, neue Möglichkeiten. Wäre es draußen nicht so kalt und wäre ich nicht so müde, wären wir schon ein gutes Gespann. Aber das wird! Vielleicht schaffen wir es sogar, „mehr Sport!“ nicht an Deinen Nachfolger zu übergeben, sondern das Fahrrad mit den ersten eisfreien Tagen wieder aus dem Keller zu tragen. Also, nicht wir schaffen das, sondern ich. Denn Du wirst an vielen anderen Stellen gebraucht, neues Jahr, manche trage ich hier im Wunschzettel zusammen.

Meine Wünsche, neues Jahr:

Ich wünsche mir, dass meine Lieben und ich gesund bleiben. Ich weiß, diesen Wunsch tragen alle an Dich heran. Aber sieh mal, 795 Millionen Menschen leiden an Hunger und mein Fotoapparat hat eine Automatik für Essensfotografie. Nein, nicht jeder kann jedes Jahr gesund bleiben, aber können wir gemeinsam fairere Bedingungen dafür erreichen?

Neues Jahr, Du wirst mit einer rassistischen Föhnfrisur mit Größenwahn zu tun haben, lass diese doch einfach mal scheitern. Und wenn ich mal scheitere, dann fang mich auf, ok?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder glücklich sind. Dass die Wutanfälle weniger werden, wir gemeinsam wunderschöne Erinnerungen schaffen. Ich werde auch lobend darüber berichten, denn der erste Geburtstag dieses Blogs fällt genau in Deine Regentschaft, Jahr, und da können wir es doch mal krachen lassen.

Bring mich gerne wieder mehr mit meinen Freunden zusammen, denn die Kinder sind jetzt so groß, dass ich das wieder kann. Nur eine Bitte: lass die Anlässe schön sein. Falls Du Dich zudem mit dem Sandmann gut verstehst, sag ihm, er möge etwas zuverlässiger seine Arbeit verrichten, und zwar nicht wie bisher bei mir, sondern mal bei den Kindern. Ich hätte Lust, abends mal wieder an der Nähmaschine zu sitzen, mit offenen Augen.

Ich wünsche mir Frieden. In meiner Familie, meiner Stadt, dieser Welt. Und von allen möchte ich mehr sehen, von der Familie, der Stadt, der Welt. Vor allem von letzterer. Das vergangene Jahr hat noch gar nicht auf den Schreibwettbewerb geantwortet, bei dem es eine Reise auf die Galapagosinseln zu gewinnen gab. Magst Du das übernehmen?

Wenn Du mich nach Deinem ersten Eindruck beurteilst, Jahr, kommst Du vielleicht zu dem Schluss, dass ich gerne auf dem Bett oder dem Sofa herumliege. Aber hey, die kuscheligste Bettdecke aller Zeiten ist fast so neu wie Du, sie braucht die Beachtung! In mir schlummert viel mehr Potenzial, kitzle es wach, inspirier mich, ich bin dabei!

Ich mag keine Abschiede, neues Jahr, aber wenn Du welche für mich vorgesehen hast, dann lass mich mit ihnen im Reinen sein. Wir sind ja irgendwie auch nur auf Zeit miteinander verwoben, wäre doch schön, wenn wir uns am Ende auch die Hände schütteln und finden, dass wir das Beste gemacht haben. Du hast hiermit ein Date an Silvester. Ich bring auch ’ne Flasche Sekt und Luftschlangen mit!

Alles Liebe, Deine Hauptstadtpflanze

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