Unfair!

Unfair- wie Geschwister konkurrieren

Ihr hättet mich gestern Abend sehen sollen, wie ich in der Küche stand und kleine Puddingschüsseln abwechselnd auf die Waage stellte, bis in jeder exakt gleich viel Pudding drin war. Eine Prozedur, die ich mir hätte sparen können, weil das eine Kind nach 10g feststellte, dass der Pudding eklig schmeckt, während es das andere Kind unfair fand, dass ich auch Pudding essen wollte.

Aber es steckt natürlich eine Geschichte dahinter…

So viel Liebe

Als ich mit dem zweiten Kind schwanger war, habe ich nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass ich dieses Wunder genauso liebe wie das größere. Es war so kitschig, wie es sich vermeintlich anhört, aber die Liebe hat sich einfach verdoppelt. Wenn ich sage, dass mir kein Kind lieber ist als das andere, so ist es die Wahrheit.

Naiv aber glücklich startete ich deshalb vor über sechs Jahren in das Leben als Zweifachmutter, in dem Glauben, beide Kinder gerecht aufziehen zu können.

Unfair!

Die Realität hat mich eingeholt und eines besseren belehrt. Und die Belehrung erfolgt stets laut und deutlich aus den beiden Schnäbeln der Hauptstadtkinder: Unfair!

  • Ein Kind bekommt den ersten Pfannkuchen? Unfair!
  • Nur eines darf das Apfelmusglas aufschrauben? Unfair!
  • Ein Kind darf die Gute-Nacht-Geschichte auswählen, weil das andere Kind gestern dran war? Unfair!
  • Ein Kind darf die Spülmaschine ausräumen? Unfair! Ein Kind soll die Spülmaschine ausräumen? Unfair!
  • Beide Kinder dürfen sich ein Lied auf youtube aussuchen, aber eines ist 3:14 min lang und das andere nur 2:07 min? Unfair!
  • Nur ein Kind braucht eine neue Zahnbürste? Nun, das ist fair, denn das andere Kind bekommt auch eine neue Zahnbürste, um des Friedens willen. (Fair und nachhaltig schließt sich aus)
Geschwister Konkurrenz
Vogelmutter, I feel you!

Es zählt das jetzt, gleich und hier

Unsere erwachsene Vorstellung von gerecht ist nicht deckungsgleich mit der Auffassung unserer Kinder. Als den größten Unterschied erlebe ich, dass die Geschwister den Moment bewerten und ihn nicht in das Gesamtgeschehen einordnen. „Ich habe 2 Jahre Deinen Schulranzen getragen und nun trage ich einmal den Ranzen Deiner Schwester?“ Unfair! „Ok, mach‘ mir einen Vorschlag, wie es fair wäre?“ „Du trägst immer meinen!“

Und letztlich ist es gar nicht möglich, mehr als ein Kind genau gleich zu behandeln. Ein Kind darf zu Hause bleiben, weil es mit Fieber im Bett liegt und das andere muss trotz Kribbeln im großen Zeh zur Schule? Unfair! Erschwerend hinzu kommt der Altersabstand von zwei Jahren, der hier eigentlich nur das unterschiedliche hohe Taschengeld rechtfertigt, nichts sonst. Aber immerhin.

Und seien wir mal ehrlich, das Leben ist ja auch nicht fair

Manchmal denke ich, es bereitet meine Kinder gut auf das Leben vor, dass sie sich ständig mit gefühlten Ungerechtigkeiten auseinander setzen (und das ja auch immer nur kurz, weil natürlich sind sie eigentlich die tollsten Geschwister). Denn so sehr wir uns auch bemühen, wir werden unsere Kinder in eine Welt entlassen, die alles andere als fair ist. Eine Welt, in der Herkunft und Geld über so vieles entscheiden, in der noch nicht einmal Frauen und Männer gleiche Chancen haben, geschweige denn jede*r. Eine Welt, in der das Schicksal nicht nach Karmapunkten und nicht nach Reihenfolge entscheidet.

Und so können wir nur mit jedem gleichzeitig auf die Teller gelegtem Fischstäbchen und mit unseren Beteuerungen der unerschütterlichen und gleich verteilten Liebe ein Grundverständnis für Fairness aufbauen. Und hoffen, dass es Früchte trägt.

Geschwister Konkurrenz oder allein im Nest

Exklusivzeit

Das beste Allheilmittel gegen unfair ist, Exklusivzeiten mit den Kindern in den Alltag einzubauen. Einen Nachmittag zu bieten, der vermittelt: ich sehe gerade Dich, nur Dich. Das Problem an der Sache ist nur, Exklusivzeiten mit mir als Mutter sind zwar schön, aber nichts gegen den wahren Hauptgewinn in der Familie: Exklusivzeit mit dem Papa.

Mama, Du bist die Beste – ja, weil Du Papa geheiratet hast und der ist ja der Allerbeste!

Hauptstadttochter macht Komplimente

Und da frage ich Euch, ist das nicht UNFAIR?

😉

Eure Svenja

Fotos von pixabay.com

Vielen Dank fürs Teilen <3

2 Gedanken zu „Unfair!“

  1. Hallo Svenja,

    das hört sich extrem anstrengend an und zeigt mir wieder wie unterschiedlich Kinder sein können.

    Unsere Vier streiten sich auch mal, wenn einer zu viele Gummibärchen bekommt oder den letzten Eierkuchen aufgefuttert hat. Dabei muss ich das „auch mal“ betonen, denn ansonsten ist es ihnen herzlich egal wer zuerst seinen Teller bekommt und ob die Saftgläser millilitergenau gefüllt sind.

    Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen und dass sich dieses Konkurrenzdenken schneller als erwartet verwächst.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    1. Liebe Mama Maus,
      ich danke Dir! Wir hören das „unfair“ zwar sehr oft, aber es geht nicht wirklich tief, oft lachen wir sogar alle gemeinsam darüber. Insofern ist es wohl weniger stressig, als der Beitrag den Anschein machte. Aber dennoch würde ich mich freuen, wenn sich auch das noch verwächst und sie noch mehr verinnerlichen, dass wir wirklich keine Unterschiede machen möchten. Es ist toll, dass Eure Kinder das so hinbekommen!
      Liebe Grüße!
      Svenja

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