Langsam durch die schnelle Zeit: auf dem Weg zum Weihnachtsfest

Vorne in der Kirche sitzen aufgeregt um die zwanzig kleine Engel. Sie sind weiß gekleidet und haben goldene Flügel, manche einen goldenen Haarschmuck. Mittendrin sitzt mein kleiner Engel. Sein Engelkostüm ist dunkelblau mit einem roten Herzen drauf. Das Herz ist aus Wendepailletten. Auch mein Engel trägt goldene Flügel, zum Glück.

Alle Plätze an den in der Kirche aufgebauten Tischen sind schon besetzt, also setzen der Hauptstadtsohn und ich uns vorne auf den Boden, um die Aufführung seiner Schwester anzuschauen. Ich wusste nicht, dass wir schon eine Viertelstunde vor Beginn der Weihnachtsfeier hätten hier sein sollten, ich hatte keine Ahnung, dass die Kinder weiße Kleidung tragen sollen. Ich fühle mich wie eine Rabenmutter. Neben mir sagt ein Kind zu seiner Mutter: Schau mal, ein Engel ist blau.

Von Termin zu Termin im Advent

Der Engelsgesang in der Kirche ist nicht die große Aufführung der Kita, diese folgt am Montagnachmittag. Mit Glück schaffe ich es, den Hauptstadtsohn rechtzeitig von der Schule abzuholen, um mit ihm in die Kita zum Elterncafé zu gehen. Zwischen Schulschluss des Sohnes und Beginn der Aufführung liegt eine Viertelstunde, das könnte gerade so passen.

Vorweihnachtszeit ist kein Hochleistungssport

Aber manchmal scheint es doch so. Es ist eine Menge zu organisieren mit zwei Kindern im Advent. Verschiedene Weihnachtsfeiern stehen im Kalender. Zu manchen bringen wir Kuchen mit, zu anderen nur den Fotoapperat. In den Supermärkten ist ständig der Puderzucker ausverkauft, besonders dann, wenn wir selber backen möchten. Und wir möchten viel backen, vor allem, weil die Kekse irgendwie nie länger als zwei Tage reichen.

Und während ich mich frage, wie ich bloß noch rechtzeitig die Geschenke besorgen kann, fragen die Kinder jeden Tag, ob nun nicht endlich bald Weihnachten ist. Vielleicht, wenn man alle Türchen des Adventskalenders gleichzeitig öffnet? Ist dann nicht schneller Weihnachten? Das Zeitempfinden der Kinder und meines driften im Advent immer weiter auseinander.

Stille Nacht, trubeliger Tag?

Und dann ist da der Wunsch, selbst auch zur Ruhe zu kommen. Und das gelingt am besten, wenn wir die eigenen Erwartungen kleiner machen, wenn wir den Anspruch an uns und an die Adventszeit ein wenig herunterschrauben. Manchmal ist der Weg dorthin gar nicht so schwierig. Und an anderen Stellen kostet er Überwindung. Ich stelle Euch heute meine Einsichten für eine ruhige Adventszeit vor, vielleicht ist ja eine Anregung für Euch dabei.

10 Tipps für Entschleunigung im Familienadvent

  1. Weihnachtsbäckerei: Keep it simple! Früher habe ich verschiedenste Weihnachtsplätzchen ausprobiert, Zimtsterne, Lebkuchen, Pistazientaler und Marzipanschnecken. Mit Kindern backen wir vor allem Mürbeteigplätzchen mit Zuckerguss und bunten Streuseln. Für die Kinder ist es aufregend und lecker genug, mir erspart es das Vorratshalten von drölfzig Zutaten.
  2. Weihnachtskino: Ein Abend auf dem Sofa mit dem liebsten Weihnachtsfilm und ganz bewusst ohne To-do-Liste schafft Wunder. Bei mir ist es „Tatsächlich Liebe“ – und bei Euch?
  3. Geschenke: Früher hat bei uns in der Familie jeder jedem etwas geschenkt. Nun haben wir Erwachsenen untereinander damit fast aufgehört und ich finde das schön. Es fehlt nichts, wir haben so viel. Und wir schenken uns das gemeinsame Weihnachtsfest.
  4. Auswahl treffen: Nicht jede Weihnachtsfeier, zu der man eingeladen wird, ist so bedeutsam wie eine Aufführung der Kinder. Wenn ich daher nicht bei der Weihnachtsfeier der Arbeit auftauche oder der Sportverein ohne uns feiert, dann geht die Adventswelt auch nicht unter. In Berlin gibt es zig Weihnachtsmärkte? Sucht Euch einen heraus und bummelt früh über den Markt, wenn es noch nicht so voll ist.
  5. Kleine Familienrituale: Morgens als erstes die Adventskalender öffnen und abends eine Geschichte aus dem Adventsbuch vorlesen, das ist der Rahmen unserer Tage zur Zeit. Sie schaffen Gemütlichkeit und Weihnachtsstimmung und bringen doch auch Beständigkeit.
  6. Abschied vom Perfektsein: Gemeinsam mit den Kindern haben wir gebastelt, um die Wohnung zu schmücken. Krumme und schiefe Weihnachtswichtel aus Klopapierrollen und Kerzen aus Transparentpapier für die Fenster sind entstanden. Die Werke sind für uns und nicht für den Blog, facebook oder instagram. Und genau so sind sie für uns perfekt.
  7. Aufteilen: Auf ihrem Blog Mama im Spagat hat es Nadja toll zusammen gefasst, was wir Eltern im Advent zusätzlich stemmen. Es ist eine ganze Menge! Umso wichtiger ist es, das wir uns als Familie gut absprechen, wer welche Aufgaben übernimmt.
  8. Den normalen Alltag herunterfahren: Im Advent möchten/müssen wir mehr machen als zu anderen Zeiten. Warum also nicht einmal weniger staubsaugen und einmal mehr Nudeln mit Ketchup kochen?
  9. Spontan bleiben: Planen ist ja immer so eine Sache, plötzlicher Schnee eine andere. Wie schön, wenn wir dann einfach in den Nachmittag hineinleben können.
  10. Tut Euch Gutes: Der Advent ist nicht gerade die Zeit, um mit Sport und Diät anzufangen. Nicht ohne Grund fangen gute Vorsätze erst zum 1. Januar an 🙂

Und wie sieht der Advent bei Euch aus? Ich wünsche Euch eine gemütliche Zeit!
Eure Svenja

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