R.E.S.P.E.C.T! #bloggersforfuture

Solidarität für School Strike 4 Climate

„Auch Ihr werdet Euren Idealismus noch verlieren“, diesen einen Satz meines Geschichtslehrers habe ich in all den Jahren seit meiner Schulzeit nie vergessen. Er war derjenige, der schon Hefte aus Recyclingpapier ablehnte, weil er so schwungvoll seinen Haken unter Aufgaben setzte, dass er meinte, er würde diese Hefte immer zerreißen. Erwachsene und Engagement von Schüler*innen, damals schon, in a nutshell.

Respekt: weltweiter Schulstreik fürs Klima

Die heutige, weltweite Jugendbewegung für Klimagerechtigkeit geht weit über Idealismus hinaus, sehr weit. Ihren Anfang setzte Greta Thunberg zunächst im Alleingang, als sie im August 2018 vor dem schwedischen Parlament ihren Skolstrejk för Klimatet begann. Am 15. März 2019 demonstrierten gemeinsam mit ihr bereits 1.600.000 junge Menschen. In mehr als 120 Ländern (Quelle Time.org)! Diesen größten jemals dagewesenen Klima-Aktionstag haben unzählige individuelle Studierende, Schülerinnen und Schüler organisiert, ungebunden, weder an eine Partei noch an eine Organisation. Ich sage: Respekt!

Vielfältig wie 1.600.000 Demonstrierende sind auch ihre Schilder.

Solidarität mit unseren Kindern

Ich sage Respekt – und so viele sagen es nicht. Die Frau zum Beispiel, die gerne Deutschlands nächste Kanzlerin werden möchte, betont stattdessen, sie entschuldige das Fehlen der Kinder in der Schule nicht.

„Es bleibt die Tatsache, dass sie dafür die Schule schwänzen.“

Annegret Kramp-Karrenbauer: Setzen, sechs.

Hat sie selbst ihre politische Verantwortung geschwänzt? Über das eigentliche Thema, Deutschland auf den Weg des Klimaabkommens von Paris zu bringen, sagt sie nichts.

Ich sage Respekt– und es ist nicht nur eine Person, die der Bewegung respektlos begegnet. Auch Männer, die nicht regieren wollen, halten sich für professioneller als Jugendliche, die einfach verstanden haben. So viel Framing, so viel Häme, so viele Diskussionen am Thema vorbei. So viel persönlicher Hass, der sich auf einer 16 jährigen Klimaaktivistin entlädt – die mit unglaublicher Klarheit und mit Unterstützung einer steigenden Zahl von derzeit 23.000 Wissenschaftler*innen spricht.

Lasst uns als Blogger*innen solidarisch mit den streikenden Kindern sein und „den Funken der Inspiration mit unseren Worten weitertragen“ sagt Alex von Livelifegreen – und ruft zur Blogparade unter dem Hashtag bloggersforfuture auf. Ich beteilige mich so gerne!

Respekt: ein unverhandelbares Minimum

Ich sage Respekt, weil wir das jeder und jedem einzelnen auf der Straße und vor den Parlamenten schuldig sind. Es bleibt nicht viel Zeit, in der wir die CO2-Emissionen soweit drosseln können, dass wir die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad begrenzen können.

„Schnelle, weitreichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft“ seien dafür nötig,

so der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht 10/18.

Ob wir das schaffen? Ich hege Zweifel. Und bin dankbar für Eine Million und Sechshunderttausend, die offensichtlich dafür kämpfen. Ihnen gebührt unser Respekt.

Gesellschaftlicher Wandel & Klimawandel

Respekt? Wie oft werden die Demonstrationen kleingeredet, diffamiert, weggeschoben? Der Umgang mit Fridays for Future offenbart ganz unabhängig vom Weltklima, in was für einem gesellschaftlichen Klima unsere Kinder groß werden.

  • Haben wir wirklich verstanden, worum es den Kindern (und der Wissenschaft) geht oder verharren wir in der „wird-schon-werden“-Lethargie?
  • Hören wir den Streikenden zu? Hören wir ihnen wirklich zu, so dass ihre Worte in uns etwas auslösen?
  • Oder fühlen wir uns aufgrund von Jahren überheblich gegenüber ihnen?
  • Sind wir so abgestumpft gegenüber Beleidigungen, Spott und Populismus, dass wir nur den Kopf schütteln anstatt uns aktiv dagegen zu stellen?
  • Verkaufen wir unser aller Zukunft für Euros, die unfairteilter nicht sein könnten?
  • Sprechen wir über Inhalte oder verlaufen wir uns auf Nebenschauplätzen?
  • Oder sitzen wir gar gemütlich auf dem Sofa und reden vom Schwänzen, ohne eigene Ideen und ohne unseren Platz auf der Straße einzunehmen?
bloggersforfuture
„I want you to act as if our house is on fire. Because it is.“ (Greta Thunberg)

Aktionen für Klimaschutz sind gewaltfrei. Sie verbinden die Schüler*innen der Welt, die verstanden haben, dass das Denken in Grenzen und dem Streben nach dem eigenen Vorteil gestrig ist. Damit stellen sie sich gegen patriarchale, alte Strukturen. Dieses beschreibt zum Beispiel der britische Guardian ganz hervorragend.

Behind the urgency of climate action is the understanding that everything is connected; behind white supremacy is an ideology of separation

The Guardian, 19.03.19

Die Verfechter der alten Politik wissen, dass auch ihre Zeit endlich ist. Sie wissen, dass sie jetzt die Macht haben, doch jene nur geliehen ist von der nächsten Generation, weil ihre eigene Vergänglichkeit mit keiner Macht aufgehalten werden kann. So wäre es fast lustig, wie alte, weiße Mitstreiter der afd vor Plakaten Selfies machen, in denen sie die Beachtung der Schulpflicht fordern. Wenn es nicht so traurig wäre, weil sie in der ihnen verbleibenden Zeit unser aller Zukunft zerstören können.

Wir brauchen den gesellschaftlichen Wandel, wir brauchen Respekt als den kleinsten gemeinsamen Nenner. Auch hierfür ist Fridays for Future so wichtig.

Und was war jetzt mit dem Idealismus?

„Auch Ihr werdet Euren Idealismus noch verlieren“, diesen einen Satz meines Geschichtslehrers habe ich in all den Jahren seit meiner Schulzeit nie vergessen. Ich habe ihn deshalb nie vergessen, weil ich mich immer wieder selbst hinterfrage. Wo stehe ich?

Fridays for Future berührt mich auch deshalb so, weil ich selbst seit ich mich erinnern kann, Umweltaktivistin war. Ich bin auch deshalb so voller Respekt, weil ich weiß, wie langwierig manche Prozesse sind und wie ermüdend. Weil ich eine Umweltinitiative von 200 Leuten mit aufgebaut habe und den Erfolg einer Bewegung mit 1,6 Millionen krass, krass, krass finde. Weil ich meinen Idealismus nie verloren habe, aber mein Engagement sehr wohl, weil ich als Mutter in meinen Mikrokosmos abgetaucht bin, anstatt weiter zu streiten. Weil ich mein Leben ökologisch anpasse, aber bisher nicht genug. Für Idealismus rennt uns die Zeit davon, wir müssen alle unseren Hintern hochbekommen und (wieder) in Aktion gehen!

Aber was können wir tun?

  • Lasst uns Diskussionen ums Schuleschwänzen darauf lenken, worum es eigentlich geht: Sprechen wir lieber über Verkehrspolitik und den Ausstieg aus der Kohle!
  • Da geht noch was? Den eigenen ökologischen Fußabdruck können wir alle von Zeit zu Zeit einer Prüfung unterziehen. Heute zum Beispiel.
  • Abwertende Sätze aus der Politik fallen uns ein, wenn wir das nächste Mal an der Wahlurne stehen. Sorry, not sorry.
  • Wusstet Ihr schon, dass wir Fridays for Future auch mit Spenden unterstützen können? Hier entlang.
  • Macht Euch schlau, was die Wissenschaft sagt und gebt es weiter. Übrigens: Auch mit kleineren Kindern lassen sich ernste Themen besprechen.
  • Seid laut! Vertretet Eure Meinung! Das können wir auch, dafür müssen wir nicht immer siebzehn sein.
  • Die Schüler*innen sind uns Vorbild, seien wir es ihnen ebenso. Mit einem respektvollen Umgang, no matter what.

Hat das jetzt wirklich jemand von Euch bis zum Ende durchgelesen? Dann habt Ihr das nötige Durchhaltevermögen für den Klimastreik schon mal unter Beweis gestellt. Respekt! Seid laut für die Zukunft unserer Kinder!

Eure Svenja

Fotos von pixabay.com; auch verlinkt bei Naturkinder und bei einfach.nachhaltig.besser.leben.

Fridays for Future: Solidarität mit unseren streikenden Kindern

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3 Gedanken zu „R.E.S.P.E.C.T! #bloggersforfuture“

  1. Liebe Svenja,
    was für ein engagierter Artikel und was für ein ungebrochener Idealismus und Wille zur Veränderung unserer Welt. Ich bin sehr stolz, dass du Teil meiner Blogparade #bloggersforfuture bist und freue mich, dass wir gemeinsam laut werden.
    Alles Liebe
    Alex

  2. Hallo Svenja,
    das war ein Artikel, der mir sehr aus dem Herzen gesprochen hat.
    Ich liebe Deine Frage „Hat sie selbst ihre politische Verantwortung geschwänzt?“. Sie ist so berechtigt: Denn wer schwänzt denn hier? Die Schüler oder die Politiker. Bei uns in der Region demonstrieren sie nachmittags und außerhalb der Schulzeit, aber trotzdem wird ihnen Schwänzen vorgeworfen! Es drängt sich langsam das Gefühl auf, dass manche wie wild mit Vorwürfen um sich schlagen, um von ihrer eigenen Antriebslosigkeit abzulenken.
    Liebe Grüße
    Stefanie

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