20 shades of motherhood: die Mutterrolle & ich

Mutter sein: ein Spiel mit Rollen

Mit der Geburt eines Kindes bekommen wir einen Stempel aufgedrückt oder landen in einer Schublade, groß beschriftet mit Mutter. Mitunter wird diese Rolle ergänzt durch „Mutter sein – Frau bleiben“ oder auch durch „auf der Arbeit bin ich ein anderer Mensch“. Eine sehr beschränkte Sicht auf die Dinge, da gebt Ihr mir sicher recht. Aber wie viele andere Menschen sind wir tatsächlich? Für diese Frage widme ich mich der Mutterrolle auf dem Blog. Denn diese Woche machte mir mal wieder deutlich: Mutter sein bedeutet Jonglieren mit vielen Rollen.

Mutter in geheimer Mission

Leise, ganz leise öffne ich vorsichtig die Tür vom Kinderzimmer. Im Dunklen schleiche ich mich ans Bett, laufe auf Zehenspitzen um vermeindliche Legosteine herum und lege eine Münze unter das Kopfkissen neben den nun nicht mehr wackelnden Milchzahn. Es gelingt. Der Hauptstadtsohn schläft ruhig weiter und am nächsten Morgen wird keine Spur verraten, dass ich die geheimnisvolle Zahnfee war. Die geplante Videoüberwachung konnte ich dem jungen Technikfreak nämlich noch ausreden.

Der nächste Abend: Leise, ganz leise öffne ich vorsichtig die Wohnungstür, vor der vier frisch geputzte Schuhe stehen. Ein Ohr immer Richtung Kinderzimmer aufgestellt, fülle ich Schokolade, Mandarinen, Nüsse und kleine Geschenke in raschelndem Papier in die Stiefel. Ich esse die Kekse, die wir für den Nikolaus auf einen Teller gelegt haben, nehme den herzerwärmenden Brief des Großen an diesen geheimnisvollen Bischof aus Myra an mich und lege mich müde ins Bett, um morgen überrascht die Gaben zu bestaunen.

Das Wort Vereinbarkeit streiche ich derweil aus dem Wortschatz

Auf der Arbeit ahnen wohl die wenigsten, dass dort die Zahnfee und der Nikolaus im Büro sitzen. Hier ist eine andere Rolle mit allerdings ähnlichen Qualitäten gefragt, nur muss sie sich im Bühnenauftritt möglichst stark von der klassischen Mutterrolle abgrenzen. Denn sonst wartet Karriereleiter Stufe null.
Heute ist der Arbeitstag mal spannend für working super woman. Kurz vor Feierabend kommt ein tolles Angebot herein, auf welches wir in der nächsten halben Stunde reagieren müssen. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen setzen wir das auf die Minute um. In meinem Hinterkopf rattert die BVG-App, wann welcher Zug fährt. Wann kann ich die Kinder noch rechtzeitig abholen, Frau Schaffnerin? Jetzt aber los! Erst lese ich aber noch die Nachricht, dass die Arbeit umsonst, weil doch nicht passend, war – und bleibe doch noch, weil ein technischer Fehler auftritt.
Ein Telefonat, der Hauptstadtmann kann doch die Kinder abholen. Organisation trägt eben, nüchtern betrachtet, einen nicht unwesentlichen Anteil an der Rolle Ehefrau.

Mutterrolle blog

Erwartungen und Realität

Apropos Ehefrau, als Teenager wollte ich gerne Spielerfrau werden. Ich träumte von den besten Plätzen im Stadion und von sportlichen Torjägern unten auf dem Rasen, die sich ihr Trikot an der Eckfahne nur für mich vom Leib reißen würden (damals war das nämlich noch ohne gelbe Karte erlaubt). Heute könnten diese jungen Sportler allesamt meine Söhne sein. Und einer ist es auch. F-Jugend statt Bundesliga, aber am Spieltag bin ich damit Spielermutter. Diejenige, bei der der Wecker am Samstag um sieben klingelt, die das Trikot wäscht und statt der VIP-Lounge den Kunstrasenplatz in Brandenburg gewonnen hat. Aber soll ich Euch etwas sagen? Verliebter hätte ich auch als Spielerfrau nicht sein können.

Eine von vielen

Die Vorweihnachtszeit feiern wir auch in der Schule. Auf dem Weihnachtsbasar kaufe ich die Kekse, die wir gebacken und gespendet haben und die Obstspieße auch. Ich bin Mutter unter Müttern (Väter sind mitgemeint) und ob mir danach ist oder nicht, es ist die Zeit für smalltalk. Bis mich die Aufführung der Schülerinnen und Schüler in die Aula rettet. Nun bin ich Zuschauerin. Die eigenen Kinder spielen nicht mit, dafür dauern Gesang und Tanz eine Stunde. Diese Rolle habe ich als Mutter im Blut, ich bin der Geduldsfaden.

Und am Wochenende noch ein paar Rollen mehr

Das Wochenende zeigt mir ein altes Sprichwort: wer abends die Zahnfee ist, ist morgens die Putzfee. Das Kind weckt mich frühs gleich zweimal innerhalb einer Stunde, einmal weil der Weg zum Klo unheimlich ist, das zweite Mal, weil der Dreck im Kinderzimmer unheimlich ist. Müde greife ich zum Putzlappen. Lieber mag ich meine Rolle als Barista, denn der Lohn ist immerhin ein heißer Kaffeebecher, von dem allerdings der Weg zur Putzfee nicht weit ist. Circle of Life.

Am Wochenende ist mein zweiter Name auch Shopping Queen, allerdings ohne das Portemonai von Guido Maria Kretschmer und mit weniger Glamour, dafür mit dem Auftrag, den Wochenendeinkauf so zu planen, dass auch Montagfrüh genügend Leckereien im Kühlschrank sind, die verschiedenen Brotdosen genügen. Abends bin ich Sterneköchin, aber eher, weil ich schon Sterne sehe, vielleicht von der anstrengensten Rolle am Wochenende: Lehrerin. Während ein Kind seit der Einschulung ständig Schule spielen möchte, hat das andere Kind keine Lust auf Schule, aber Hausaufgaben.
Ich erwähnte, dass ich nicht Spielerfrau geworden bin, oder? Aber was ich wurde ist Schiedsrichterin. Wer täglich den Streit von Geschwisterkindern begleitet, könnte es als Vermittlerin auf der Bühne der Weltpolitik weit bringen, zum Weltfrieden vermutlich. Bloß dafür bin ich als Mutter dann auch wieder zu müde. Nur bei aller Müdigkeit möchte ich auch nicht meine liebsten Rollen vergessen aufzulisten: Trösterin, Mitspielerin, Mutmacherin, Boxsack, Vorleserin und vor allem wir und ich, ganz einfach so für den Moment.

Vermutlich wird mich die althergebrachte Frage „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ noch ein paar Jahre begleiten, auch wenn die Zahnfee dann keine Antwort mehr sein wird. Was ist derzeit Eure liebste Rolle?

Eure Svenja

Fünf Dinge, die ich in der Mutterrolle gut mache, könnt Ihr übrigens hier auf dem Blog nachlesen.


Fotos Pixabay.com

Die Rollen meines Lebens: Die Mutterrolle auf dem Blog

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