Tagebuch Kita-Reise: 5 Tage ohne Dich

„Und wenn ich es nicht schaffe, Mama?“ Ein oder zwei Nächte vor der Kita-Reise hast Du mich das gefragt. „Dann holen wir Dich ab!“ habe ich Dich beruhigt. „Feiern wir dann trotzdem eine Party, dass ich wieder da bin?“ „Natürlich!“

Fünf Tage lang ist die Fünfjährige auf Kita-Reise an der Ostsee. Zusammen mit ihren beiden allerbesten Freunden und mit Erzieherinnen, denen ich vertraue. Schon länger war die Reise bei uns ein großes Thema, Vorfreude wechselte sich mit kindlicher Sorge ab. Ich habe von Anfang an geglaubt, dass die Fahrt der Hauptstadttochter gefallen wird, wenn sie erst mal begonnen hat. Das Programm ist toll, die Gruppe großartig.

Testübernachtungen bei Freunden haben ihr große Freude bereitet. Aus ganzem Herzen konnte ich ihr daher gut zurden. Nur eines habe ich nicht bedacht: wie schwer es mir selbst fallen würde! Meine Tochter ist fünf Tage weg und ich vermisse sie schrecklich.

Ein Tagebucheintrag.

Montag

Die letzten Tage vor der großen Reise waren ein Wettlauf mit der Zeit. Am Donnerstag wurde die Hauptstadttochter krank, am Sonntag war sie zum Glück wieder richtig fit. Es kann losgehen. Mit gepackter Tasche bringen wir Dich um 8 Uhr zur Kita.

Um 8:15 Uhr tiger ich durch die Wohnung und weiß nicht, wohin mit mir. Ich will mein Kind zurück und die Nabelschnur schmerzt. Wie bitte? Sind das meine Gedanken, wo ich doch Zeit für mich alleine so herbeisehne? Ja, aber doch bitte nicht fünf Tage!

Mittags kommt ein Bild übers Handy. Ihr seid am Strand und gut angekommen. Ich freue mich. Und ärgere mich ein bisschen, denn Dir wurde mit Haarband und Haarspangen ein Zopf gemacht. Beides magst Du eigentlich gar nicht („Meine Haare sollen frei fliegen, Mama!“). Ich lerne, mich raus zu halten. Am Meer ist es windig.

Den Nachmittag haben der Hauptstadtsohn und ich ein tolles Exklusivprogramm. Es ist schön, dass wir zwei Zeit für uns haben. Wir machen eine lange Fahrradtour und spielen Schwarzlichtminigolf. Der Große ist stolz, dass wir es zu dritt noch nicht unternehmen hätten können. Es tut uns beiden gut.

Abends hätte ich Dir gerne von diesem Nachmittag erzählt. Ob Du wohl schon schläfst? Ob Du ahnst, wie sehr Du hier vermisst wirst?

Dienstag

Was ich heute nicht geschafft habe? Den Nachmitag alleine irgendwie produktiv zu nutzen. Was ich geschafft habe? Einen Film habe ich geschaut und Dich vermisst. Deinen Bruder von einem Freund abgeholt. In Deinem Bett geschlafen (in meinem lag dann nämlich Dein Bruder). So ist alles durcheinander hier.

Mittwoch

Morgende mit nur einem Kind sind so entspant. Ich bin so früh bei der Arbeit wie lange nicht. Aber ich bin auch nicht richtig fit, erkältet. Zwischendurch wünsche ich mir fast, der Hauptstadtsohn wäre auch auf Reisen, weil ich einfach k.o. bin. Er ist beim Fußballtraining und heute tut es mir ganz gut, dass ich das übliche Programm aus Einkaufen und Aufräumen alleine machen kann. Wir haben noch nichts von Dir gehört und ich bin mir sicher, dass es Dir gut geht.

Auch Abende mit einem Kind sind so entspannt. Auch wenn sich meine Kinder meist gut verstehen, merke ich doch die Wohltat, mal ein paar Tage keinen Geschwisterstreit schlichten/ anhören/ begleiten zu müssen.

Zum Vorlesen sucht sich der Hauptstadtsohn ein Buch aus, welches Dir gehört. Ich weiß, dass wir es bald noch mal alle zusammen lesen werden und freue mich darauf.

Die erste große Trennung: 5 Tage Kita-Reise.

Donnerstag

Heute ist der leichteste Tag, denn ich kann die ganze Zeit „Morgen!“ denken und dabei lächeln. Deshalb vertrödele ich auch glatt den Morgen und fange wieder spät an zu arbeiten. So ist es eben. Der Hauptstadtsohn und ich genießen noch einmal einen freien Nachmittag zusammen und verbinden es mit etwas Nützlichem, er braucht neue Schuhe und T-Shirts. Puh, letztere sind nicht so leicht zu finden, weil die alle „nicht cool, Mama!“ sind.

An meinem Bett steht Dein Bilderrahmen mit dem Quatschfoto von Dir, welches Du mir zum Muttertag geschenkt hast. Ich lache es an und denke „Morgen.“

Freitag

An dieser Woche sind wir wohl beide gewachsen. Die erste lange Trennung geht heute zu Ende und ich freue mich sehr auf Dich.

Um 15 Uhr versammeln sich Eltern und Geschwister vor der Kita und bald kommt Ihr an. Ein buntes Hallo und großes Hurra auf allen Seiten. Du siehst sehr glücklich und sehr braun gebrannt aus, es war eine tolle Woche am Meer.

Die nächsten Tage wirst Du sagen, dass Du mich sehr vermisst hast, aber ich glaube, dass das auch ein bisschen Freundlichkeit ist. Denn zunächst überwiegen die schönen Erinnerungen und auch die Erzieherinnen berichten, dass Du durchweg fröhlich warst. Jetzt aber ist Zeit für die versprochene Party und wir holen dazu das Eis aus dem Gefrierschrank, das Du Dir gewünscht hattest. Nach einer Woche Exklusivzeit fält es Deinem Bruder schwer, uns wieder zu teilen. Und doch kann auch er es kaum erwarten, Dir die neueste Entdeckung im Minecraftspiel zu zeigen.

Du bist wieder hier!

Und wie war es also?

Jedes Kind ist anders, jede Kita natürlich auch, jede Familiensituation und jegliche Erfahrungen zuvor sind ebenfalls nie gleich. Für uns war die Kita-Reise ein sehr gutes Angebot.
Die Hauptstadttochter wird zur Einschulung gerade sechs, für sie war es eine großartige Möglichkeit, noch in dem sicheren Rahmen sehr zu wachsen. Sie war so stolz und glücklich. Ich konnte sie ohne Zweifel gehen lassen, ganz im Vertrauen. Und war doch überrascht, wie schwer mir die Tage ohne sie zunächst fielen. Danach hat die Zeit aber auch mir geholfen, etwas Kraft zu tanken. Mich ganz auf mich und auf das große Kind einzulassen.

Alles in allem war die Kita-Reise über fünf Tage toll – und alle vorherigen Anfragen, ob es nicht zu früh oder zu lang sei, kann ich für uns verneinen.

Bieten Eure Kitas auch Reisen an? Wie sind Eure Erfahrungen?

Eure Svenja

Strandbild cocoparisienne/pixabay.com

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Kennst Du schon diese Beiträge?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.